Yachten ohne DSV Yardstick (Exoten)

Ist eine gemeldete nicht in der aktuellen DSV Yardstickliste aufgeführt muss das Techn. Komitee einen vorläufigen Yardstickwert festlegen.
Zuerst wird das Internet nach Regattaergebnisse durchsucht. Ist es z.B. eine Hanse Yacht hat das Komitee meistens den YS Wert aus den Ergebnissen des Hanse-Cups herangezogen.

Falls keine Regattaergebnisse gefunden werden versucht das Komitee aus europäische Handicap Listen wie z.B. Portsmouth, LIS Lindingö oder die franz. OSIRIS Listen Information über das Geschwindigkeitspotential einer Yacht zu erlangen.
Aus den betreffenden- und DSV-Listen kann man über enthaltene Vergleichsyachten auf die zu bestimmende Yacht schließen.

Zusätzlich versucht das Komitee über ORC Messbriefe (Club oder International) Info über eine Yacht zu erlangen.
Wichtig ist dabei einen Meßbrief zu finden der möglichst genau der gemeldeten Yacht entspricht.
Außer den techn. Daten des Rumpfes muss das Baujahr der Yacht die Segelfläche, Anzahl der Segel und Vorwindsegel übereinstimmen. Mit einem Umrechnungsfaktor wird der GPH Wert in einen YS-Näherungswert umgerechnet.

Da der YS einer Yacht empirisch ermittelt wird (durch Vergleichsregatten) muss man einen umgerechneten YS mit Vorsicht behandeln. Dieser Wert wird in jedem Falle einer kritischen Prüfung unterzogen.

Wenn ein “Arbeits YS“ ermittelt ist wird dieser über die Baureihe der Yachtwerft nochmals überprüft.
Z.B. bei der Einschätzung der Comfortina 39 hat das Comitee über die Yardstickwerte der schon in der DSV Liste vorhandenen Comf. 35 mit YS 94, Comf. 38 YS mit 92, Comf. 42 YS 88 B, einen vorläufigen YS Wert 90 festgelegt.
Dieser Wert wurde später in der DSV Liste bestätigt. Übrigens, die Comfortina 42, Tiefgang 2,05m wurde u.A. wegen unserer Regattaergebnisse auf 87 B und Tiefgang 2,35m auf 86 B geändert.

Der Verlauf der Hessenregatta erstreckt sich über mehrere Yardstick Revierlisten.
Aus diesen Gründen wird die DSV Liste als übergeordnete Liste für die teilnehmenden Yachten angehalten. Außerdem berufen sich die Werte der Revierlisten auf oft eine oder nur wenige Vergleichsyachten eines Types. Manche Yachten in den Revierlisten haben wesentlich günstigere Handicap Werte die sich nicht nur durch Revierbedingungen, Umbauten oder sonstige besondere Gegebenheiten erklären lassen.

In den letzten Jahren hat sich für das Komitee eine Wertigkeit in den Methoden einer YS Ermittlung abgezeichnet.

An erster Stelle steht die DSV Liste (siehe Ausschreibung. Oft muss auch zur eindeutigen Zuordnung des Yachttyps das Baujahr mit alten DSV Listen abgeglichen werden. z.B. eine Bavaria 44 gab es in drei Serien.
Führt dies nicht zum Erfolg stehen an zweiter Stelle Ostsee- Regattaergebnisse.
Danach die Revierlisten.
An letzter Stelle Umrechnungen aus europ. Handicap und ORC Meßbriefen. Dies bedeutet, wenn eine Yacht in die DSV-Yardstickliste aufgenommen wird, dass dieser Wert vor einem aus dem ORC Meßbrief ermittelten YS Wert geht.
Wegen der Gleichbehandlung der Teilnehmer geht also der empirisch ermittelte YS Wert vor einer Umrechnung aus anderen Handicap Listen bzw Messbriefen.

Die Endkontrolle: Passt die Yacht mit dem ermittelten YS in die Baureihe und YS der Yachtwerft.

Manfred Iffland Juli 2019
Mitglied Technisches Komitee

© 2019 Denise und Manfred Iffland